
Grußwort Pfarrer Heribert Meurer
Zwei Mystiker – der eine aus dem Islam, der andere aus dem Christentum – sind Zeugen dafür, dass das tiefste Geheimnis des Menschseins und des Weltalls die Liebe ist:
Rumi (1207-1273), der bedeutendste Mystiker des Islam, der von Christen immer mehr als der islamische Bruder des Franziskus entdeckt wird;
Franziskus (1182-1226), der wohl größte Heilige und Mystiker des Christentums – über den wir im vergangenen Jahr in unserer katholischen Gemeinde intensiv nachgedacht haben.
Diese beiden „Brüder im Geiste“, Franziskus und Rumi, zeigen – stellvertretend für die Mystiker aller Religionen –, dass das Höchste und Tiefste, das Allumfassende die Liebe ist.
Mit den Worten der christlichen Mystik gesprochen: Das tiefste Geheimnis dieser Welt und meines Lebens ist der Gott, der die Liebe ist, die für uns in Jesus Mensch geworden ist.
Franziskus erkennt diesen Gott, diese Liebe in allen Geschöpfen, wie es besonders in seinem „Sonnengesang“ deutlich wird:
„Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Sonne, durch Bruder Mond, durch Bruder Wind, durch Schwester Wasser, durch Bruder Feuer, durch Mutter Erde, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod“.
Rumi erkennt in Gott, in der Liebe Gottes die Kraft, die das gesamte Universum zusammenhält:
„Des Liebenden (Gottes) Herz ist angefüllt mit einem Ozean.
In seinen rollenden Wogen wiegt sanft sich das All“
(„Das Lied der Liebe“).
Die Mystik will auch uns – oft mitten im Alltag – zu dieser Wahrheit durchstoßen lassen: Die Mitte und der tragende Grund meines Lebens und dieser Welt ist die Liebe.
Wenn die „2. Nacht der Mystik“ uns hilft, uns ein Stück weit dieser Wahrheit zu nähern und tiefer in sie einzudringen, dann hat sich alle Mühe, aller Einsatz gelohnt, für den ich dem Vorbereitungskreis sehr herzlich danke!
Heribert Meurer, leitender Pfarrer
der katholischen Pfarrgemeinde
„Seliger Papst Johannes XXIII., Köln“
